Recycle Yourself – Eine Nach-Tod Erfahrung



Was passiert nach dem Tod? Eine der tiefgreifenden Fragen der Menschheit. Eine plausible Antwort wird zumindest für einige Zeit noch ausbleiben. Dass die Bestattung der menschlichen Überreste jedoch neu gedacht werden kann, liegt auf der Hand. Genau das ist nun im Staat Washington geschehen - dank der Verabschiedung eines neuen Gesetzes für den Umgang mit menschlichen Überresten.


Die in Seattle ansässige Firma Recompose versteht sich nicht mehr als traditionelles Bestattungsinstitut, sondern eher als eine Art Nach-Tod-Zentrum, mit einem einzigartigen Service zur natürlichen organischen Reduktion von menschlichen Überresten. Diese werden hier in eine Art offenes Gefäß, statt in einen Sarg gelegt, mit Holzspänen bedeckt und in ein Wabensystem in der Wand geschoben. Durch die Hilfe von thermophilen Bakterien wird so aus dem Leichnam in etwa 30 Tagen fruchtbare Erde. Am Ende des Prozesses kann genau auf dieser Erde wieder neues Leben entstehen und der Kreislauf des Lebens geschlossen werden.


„Durch die Umwandlung menschlicher Überreste in Boden minimieren wir den Abfall, vermeiden die Verschmutzung des Grundwassers mit Einbalsamierungsflüssigkeit und verhindern die Emission von CO2, die bei der Verbrennung und bei der Herstellung von Schatullen, Grabsteinen und Grabeinlagen normalerweise entsteht", erklärt das Unternehmen auf seiner Website. Eine Prototypanlage hat das Team um die Gründerin Katrina Spade, in Zusammenarbeit mit den Architekten von Olson Kundig bereits konzipiert.

Die Fertigstellung des Zentrums ist Ende 2021 geplant. Anstatt der eher morbiden Ästhetik konventioneller Bestatter, findet man in Katrina Spades Gebäude lichtdurchflutete Räume, zahlreiche Bäume und hohen Naturholzdecken. Das Sterbebett und der Umgang mit dem Tod erhalten hier eine völlig neue Bedeutung. Nach einem statistisch gesehen, nicht besonders nachhaltigen Leben, hat man so zumindest die Chance auf ein nachhaltiges Ableben.

Bild: Olson Kundig & Recompose /Mold